Review

"Täuschst du uns?"

Die junge Reporterin Ángela (Manuela Velasco) erwacht auf einem Schiff, dass zu quarantänezwecken auf spanischer See ausgelaufen ist. An die Angriffe von infizierten Personen während einer Reportage in einem Wohnhaus erinnert sie sich nur noch geringfügig. Desorientiert befreit sie sich und schließt sich mit dem Soldaten Guzmán (Paco Manzanedo) zusammen, der sie aus dem Mehrfamilenhaus gerettet hat. Der sich ebenfalls auf dem Schiff befindende Dr. Ricarte (Héctor Colomé) experimentiert mit Ángela's Blut um ein Gegenmittel für die Infektion zu finden. Als ein infizierter Affe aus den Labors entwischt, droht den auf dem Schiff abgesonderten Personen eine weitere Eskalation.

Die "[•REC]"-Reihe geht ungewöhnliche Wege bei der Gestaltungen ihrer Fortsetzungen. Teil 2 bot zwar mehr vom gleichen Prinzip des erfolgreichen Erstlings, offenbarte allerdings eine ganz ungewöhnliche Erklärung der Geschehnisse für das Genre. "[•REC]³: Genesis" verlies dann gar die eigentliche Schiene des Found-Footage Stils und präsentierte einen wilden Genre Mischling. "[•REC] 4: Apocalypse" soll nun das vermeintliche Finale sein und wartet erneut mit Neuerungen auf, die allerdings sehr generisch und abgedroschen sind.

Die Handlung setzt unmittelbar am Ende von Teil 2 an. Das neue Setting ist angenehm klaustrophobisch und düster. Die ursprüngliche Protagonistin der Reihe kehrt an ihren Platz zurück und bildet den Fokus des Geschehens, offene Handlungsstränge aus [•REC]² werden weitergeführt. Klingt nach einem erfolgversprechenden Ausgangspunkt.

Leider finden sich in der ersten Hälfte des Films keine Höhen. Lange plätschert die Handlung vor sich hin, ohne spürbar vorwärts zu kommen. Die konstruierte Erzählweise wird bereits hier offensichtlich, zu der sich später einige Logiklücken und Verständnisprobleme in der Nachvollziehbarkeit gesellen.
In der zweiten Hälfte zieht das Tempo an. Erzählerische Kniffe finden sich keine, ebensowenig größere Überraschungen. Dafür ist die Präsentation besonders gegen Ende sehr solide.

Das Gesamtbild wird durch schwache digitale Effekte zusätzlich strapaziert. Die recht dezenten Gewaltszenen sind zunächst durch das Geschehen im Off sowie verwackelte Kameraführung ohnehin recht wirkungslos. Später gibts aber etwas Ausgleich.
Nicht nachvollziehbar ist der endgültige Abschied des Found-Footage Stils. Gerade die ersten beiden Teile sowie das Remake "Quarantäne" profitierten ungemein von dessen Vorteil eine intensive Atmosphäre aufzubauen. Nur ein paar Blicke durch Überwachungskameras verweisen auf die originäre Ausrichtung.

Die Darsteller sind zweckmäßig. Alle haben mit den überwiegend stereotypischen Charakteren zu Kämpfen. Manuela Velasco funktioniert allerdings gut als erneute Identifikationsfigur.

"[•REC] 4: Apocalypse" ist zwar besser als der misslungene Vorgänger, gegen die ersten beiden Filme kommt aber auch er nicht an. Mehr als souveräner, ernster Horror auf beengtem Raum und einem angenehmen Tempo in der zweiten Hälfte findet sich nicht. Visuell, erzählerisch und bei den Figuren findet sich einfach zu wenig an Eigenständigkeit und die zahnlosen Actionszenen unterhalten nur ab und an.

5 / 10

Details
Ähnliche Filme